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thmmax
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Beitrag #111372 BeitragErstellt: 09.06.2019 21:46
Straßenbahn Hong Kong
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Liebes Forum,

auch dieses Jahr möchte ich einen Beitrag zu außergewöhnlichen Straßenbahnen weltweit beisteuern. Für leider nur 3 Tage hat es mich heuer in den Fernen Osten, nach Hong Kong verschlagen (die bisherigen Stories finden sich hier: Gaziantep http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=7340, Istanbul http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=7338, Jerusalem http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=6915, Teneriffa http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=7217, Montpellier http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=7143 und Washington DC http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?t=7242).

Hong Kong zählt sicherlich zu den spannendsten und pulsierendsten Metropolen in Asien und ist aufgrund seiner britischen Kolonialgeschichte (bis 1997) und seinem heutigen Status als chinesische Sonderverwaltungszone ein unglaublicher Mix aus Ost und West. Vielfach ist der britische Einfluss noch erhalten (Linksverkehr, mehrsprachige Beschilderungen, generell hoher Lebensstandard und (zumindest gewisse) politische Freiheit); trotzdem fühlt man sich als Besucher direkt in das Herz Asiens versetzt (nicht zuletzt wegen des subtropischen Klimas – während meines Besuches hatte es eine Luftfeuchtigkeit von 95% bei 30 Grad...).

Die Stadt zählt mit ihren 7,5 Millionen Einwohnern zwar (noch) nicht offiziell zu den zahlreichen asiatischen Megacities, fühlt sich aber aufgrund ihrer extrem dichten Bebauung und der Bevölkerungsdichte (>6000 Einwohner pro km²) definitiv wie eine Megacity an. Konkret erstreckt sich die Stadt über zahlreiche Inseln, zu den wichtigsten Stadtteilen zählen Hong Kong Island, Kowloon und die New Territories, die sich Richtung Festlandchina erstrecken. Die Stadt hat in den letzten Jahren – wie viele chinesische Städte – eine wahre Bevölkerungs- und Infrastrukturexplosion erfahren, die nicht vor den verkehrstechnischen Gegebenheiten halt gemacht hat (eine eigene Story ließe sich allein mit den neuen Hochgeschwindigkeits-Bahnverbindungen nach China oder der längsten Meeresbrücke der Welt, nach Macau, füllen).

Während verkehrstechnisch auf den Straßen gemäßigtes Chaos herrscht (immerhin werden grundlegende Regeln eingehalten – vielleicht noch ein Einfluss GBs?), funktioniert der ÖPNV hervorragend, womit wir eigentlich schon beim Thema wären. Das Rückgrat der Stadt bilden die 11 U-Bahn Linien des Betreibers MTR, die teilweise im Minutentakt verkehren und täglich mehr als 5 Millionen (!) Menschen befördern (interessantes Detail am Rande: die MTR ist nicht nur extrem billig (je nach Strecke ca. 4-25 HKD/ca. 0,4-2,5 €), sondern auch extrem pünktlich (99,9% Zuverlässigkeit)). Ergänzt wird die U-Bahn von über 700 Buslinien, Light Rails, Straßenbahnen, Standseilbahnen und Fähren.

Allen Verkehrsmitteln gemeinsam ist, dass sie äußerst zuverlässig, effizient, billig und sauber sind (und dementsprechend genützt werden!). Die Umsteigeknoten sind für die unglaublichen Menschenströme perfekt ausgelegt und ermöglichen Anschlüsse oft auf der gleichen Ebene. Die Leitsysteme und die Beschilderung passen sich an die Pendlerströme an und sind jedenfalls immer in Englisch und Kantonesisch lesbar. Auch in Hong Kong setzt man auf ein RFID-System für den ÖPNV, genannt Octopus-Card (erhältlich in verschiedenen Varianten). Die Karte kann aufgeladen werden und für jedes Verkehrsmitteln in HK genutzt werden, ebenso wie für öffentliche Anlagen, Trafiken etc...(dementsprechend musste ich mich kein einziges Mal mit Münzen herumschlagen big grin )

Aber nun endlich zum eigentlichen Thema: den Straßenbahnen! Der Hauptteil dieser Story beschäftigt sich mit der historischen, doppelstöckigen Tram auf Hong Kong Island, mit einem kleinen Exkurs zur relativ neuen Light Rail in den New Territories. Die historische Straßenbahn geht auf das Jahr 1904 zurück und ist heute das einzige System weltweit, das ausschließlich doppelstöckige Wagen einsetzt. Das System erstreckt sich im Norden von Hong Kong Island auf 13 km und verbindet mit 120 Stationen (!) Shau Kei Wan mit Kennedy Town. 6 Linien überschneiden sich auf verschiedenen Abschnitten; es gibt außerdem eine ca. 3 km lange Schleife über das sogenannte Happy Valley.

Zum Einsatz kommen 164 doppelstöckige Wagen aus unterschiedlichsten Generationen, die teilweise vom Betreiber selbst gebaut/modernisiert werden. Viele sind noch komplett aus Holz und wirken technisch ein wenig spartanisch; nach und nach wird die Flotte jedoch erneuert (Struktur aus Aluminium, neue Steuerung etc.). Die Wagen fassen (theoretisch) 115 Passagiere, zur Stoßzeit aus eigener Erfahrung auch deutlich mehr shocked Im Normalfall ergibt sich ein Intervall von ca. 90 Sekunden, häufige Behinderungen führen jedoch meistens zu einer Pulk-Bildung.

Während die Trams sicher nicht zum schnellsten Fortbewegungsmittel in HK zählen – Grund dafür sind hauptsächlich die engen Haltestellenabstände von ca. 250 Metern und die Mischverkehrsabschnitte – sind sie mit ca. 0,25€ das billigste. Der Fahrpreis ist unabhängig von der zurückgelegten Strecke und wird beim Aussteigen bezahlt. Hier funktioniert übrigens einwandfrei was im Forum kürzlich erst diskutiert wurde: hinten wird eingestiegen, vorne ausgestiegen!

Während ich die Tram zunächst für eine reine Touristenattraktion gehalten habe, hat sich schnell herausgestellt, dass sie eine wichtige Naherschließungsfunktion erfüllt und auch von Einheimischen extensiv genützt wird (ca. 200 000 Pax/Tag). Aufgrund ihres Klingelgeräusches wird sie von den Einheimischen auch gerne liebevoll Ding Ding genannt big grin

Nun endlich zu den Bildern:


Eine Tram kämpft sich durch die Häuserschluchten zum Western Market...


...kurz vor der Stoßzeit läuft es noch halbwegs flüssig.


Da setzt auch schon die Rush Hour in voller Härte ein!


Zug Nr. 95 hat es bis zur Abzweigung Happy Valley geschafft...


...nur um wenig später in einem kleinen Straßenbahn-Stau festzustecken big grin


Nach geschaffter Schleifenfahrt um die Trabrennbahn im Happy Valley wartet diese Tram artig auf die Weiterfahrt nach Kennedy Town.


Am nächsten Tag zumindest ein gelber Lichtblick im Abschnitt Causeway Bay...


...wenn auch verschwindend klein vor dem berühmten HSBC-Building, das von Norman Foster geplant wurde und lange Zeit als teuerstes Hochhaus der Welt galt (im Inneren befindet sich ein spektakuläres Atrium!).


Perspektivenwechsel.


Sonntägliche Ruhe im Finanzviertel, nur gestört von...


...einer zweiten Tram!


Kurz vor dem Whitty Street Depot ...


und wenig später an der Wendeschleife Kennedy Town.


Dichtes Treiben im Central District...


...Concrete Jungle where Trams are made [of]?


Am anderen Ende von Hong Kong, tief in den New Territories, zwischen Tuen Mun und Yuen Long ist seit den 80er Jahren ein zweites, unabhängiges Straßenbahnsystem entstanden, das eher einer Light Rail gleicht und größtenteils auf baulich getrennten Gleisen verkehrt. Dieses System – das wie die Metro von der MTR betrieben wird – erschließt auf ca. 36 km 68 Stationen mit 12 (sich überschneidenden) Linien.

Zum Einsatz kommen ca. 150 Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller und Generationen, die neueste dem chinesischen Eisenbahn-Riesen CRRC entspringend. Die Fahrzeuge bieten ca. 200 Personen Platz und verkehren teils in Doppeltraktion. Auch hier kann die Octopus-Card genützt werden, muss jedoch bei Ein- und Ausstieg an speziellen Scannern validiert werden.

Natürlich musste ich auch zu diesem System einen Abstecher machen:


Zwei Wagen treffen sich beim Gleisdreieck Siu Hong...


...wenig später auf der Strecke nach Yuen Long. Von hier aus sieht man bereits auf die Elektronik-Metropole Shenzhen.


Dichter besiedelt wird es wenig später wieder im Zentrum von Yuen Long...


...wo es Gott sei Dank auf einer Eigentrasse durch das dichte Gewusel geht.


Grüne Welle für die Tram – eine Metro nähert sich zwei Ebenen höher auch schon.


Endstation im mehrgleisigen Terminus Yuen Long.


Neben den Straßenbahnen gibt es in Hong Kong nahverkehrstechnisch jedoch noch viel mehr zu sehen. Zu den spektakulärsten schienengebundenen Verkehrsmitteln zählt sicherlich die Peak Tram, die auf einer Strecke von 1,3 km Central mit dem Victoria Peak verbindet (Höhenunterschied ca. 370 m) und spektakuläre Ausblicke bietet. Leider wird die Bahn derzeit modernisiert und kann nur von außen bewundert werden...


Während ein Wagen in der Steigung zwischen Garden Road und Kennedy Road hängt...


...versteckt sich der zweite Zug im dichten Dschungel über Hong Kong.


Hoch hinaus geht es auch mit der Seilbahn Ngong Ping 360, die die Insel Lantau, in der Nähe des internationalen Flughafens Chek Lap Kok erschließt. Die 2-S Anlage von Leitner erstreckt sich über 5,7 km und 3 Sektionen und ermöglicht eine spektakuläre Fahrt zum Big Buddha und zum Kloster Po Lin.


Zunächst schwebt man über die Tung Chung Bucht , mit einer tollen Aussicht auf das Südchinesische Meer...


...bis sich ca. 20 Minuten später der Blick auf den Big Buddha eröffnet.


Auch auf dem Wasser gibt es in Hong Kong zahlreiche Fortbewegungsmöglichkeiten, wobei eine Fahrt mit der Star Ferry sicherlich zu den spektakulärsten gehört. Alle 10 Minuten verbinden die Fähren den Stadtteil Tsim Sha Tsui in Kowloon mit Hong Kong Island...


...sensationelle Blicke auf die Skyline inkludiert!


Das wohl außergewöhnlichste Fortbewegungsmittel ist aber sicherlich der Central Mid-Levels Escalator, der die steilen Hänge auf Hong Kong Island erschließt. Es handelt sich um mehr als 20 Rolltreppen, die auf ca. 800 m Länge mehr als 130 Hm überwinden. Das System ändert jeweils zu den Stoßzeiten seine Richtung und kann kostenlos benützt werden (Abstecher in verschiedenste Stadtviertel, wie dem hippen Ausgehviertel SoHo inkludiert).


Gerade bewegt sich das System aufwärts...


...und schlängelt sich wie ein Wurm durch die steilen Gassen.

Die Fotos stehen natürlich wie immer – auf Nachfrage – auch gerne in Druckqualität zur Verfügung.

LG Max
 

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Martin
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Beitrag #111373 BeitragErstellt: 10.06.2019 20:19
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Super Reportage!
Bei 90 Sekunden Intervall wird die Bulkbildung maximal 7-8 Minuten Wartezweit generieren?
 

Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Linie 5 (Regiotram) jedenfalls von Zirl bis Mils geführt werden muss.

Die von mir aufgenommenen Fotos stehen unter CC-BY-SA 3.0 und können gerne der Lizenz entsprechend weiterverwendet werden.

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thmmax
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Beitrag #111374 BeitragErstellt: 10.06.2019 21:38
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@ Martin: das könnte ca. hinkommen, ja! Zur Stoßzeit kommt es teilweise zu einer extremen Pulk-Bildung, wo plötzlich >5 Fahrzeuge daherkommen... Oft steht einfach nur ein KFZ ein wenig zu weit in der Tramtrasse und kann nicht wegfahren, weil einfach alles steht! Da aber mehr oder weniger parallel die U-Bahn verläuft, habe ich das nicht als tragisch empfunden – wenn man schnell irgendwo hin muss, nimmt man die Metro und sonst genießt man die Aussicht und den Trubel vom Oberdeck big grin
 

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