| Walter4041 |
Erstellt: 06.12.2009 18:30 Titel: |
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| 62er schrieb: |
Sehr interessante Reportage! Danke für das Einstellen |
Kein Problem!
| Zitat: |
Wieviele Tage warst du in Łódź unterwegs? Du bist ja ziemlich herumgekommen...  |
Insgesamt waren es knappe vier Tage, wobei nicht nur die Straßenbahn besichtigt wurde. Netto waren es ca. drei Tage, wobei jahreszeitlich bedingt ab 15.30-16.00 meist nicht mehr viel anzustellen war.
Ich habe es aber trotzdem nicht geschafft, das Netz dort komplett abzufahren, einige Programmpunkte mussten aus Zeitmangel auch gestrichen werden. Alleine der Allerheiligenverkehr wäre noch einen zweiten Besuch wert.
Noch ein kleiner Nachtrag, mir ist nämlich aufgefallen, daß in der Reportage kein Bild der Linie D1 ist:
Tw 1460+1453 als Linie D1 in der Zachodnia
In der Fußgängerzone Piotrkowska gibt es neben Fahrradrikschas auch die Möglichkeit mit diesem Bus zu fahren, der als Linie A der MPK im Schrittempo die ca. 700m lange Fußgängerzone zwischen Plac Wolności und Piłsudskiego rauf und runter fährt.
Edit 26.12.10: Bild-URLs geändert |
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| Walter4041 |
Erstellt: 05.12.2009 14:52 Titel: Allerheiligen in Lodz, Teil2: MPK |
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So, im zweiten Teil kommen wir nun zur "großen" städtischen Straßenbahn MPK (Miejskie Przedsiębiorstwo Komunikacyjne), die mit Ausnahme der kurzen Strecke nach Pabianice nur innerstädtische Strecken bedient.
schematischer Liniennetzplan
Gleisplan (aus Copyright-Gründen im Intern-Bereich )
Der Fuhrpark der MPK wird zum größten Teil nach wie vor von den Konstal-Triebwagen vom Typ 805Na gebildet. Von dieser Type wurden zwischen 1979 und 1990 für mehrere polnische Meterspurbetriebe insgesamt 691 Stk. gebaut, 439 davon für Łódź. Abgeleitet wurde dieser Typ vom Normalspur-Triebwagen 105N, der mit einer Auflage von ca. 2500 Stk.(!) der polnische Standard-Triebwagen der 80er Jahre ist.
Die Triebwagen werden bei der MPK paarweise gekuppelt eingesetzt, wobei i.a. Pärchen mit benachbarten Betriebsnummern gebildet werden, die auch langfristig fix gekuppelt bleiben.
Hier befindet sich Tw 3339+3342 als Linie 6 in der Piotrkowska
Ein nicht unbeträchtlicher Teil der 805Na-Züge wurde in den letzten Jahren modernisiert, indem die Stirnfront des vorderen und die Heckfront des hinteren Triebwagens mit einer GFK-Haube versehen wurden. Außerdem wurden die Wagen u.a. mit einem elektronischen Fahrgastinformationssystem und einem modernisierten Innenraum versehen. Zumindest einen Zug habe ich auch mit einer neuen E-Ausrüstung (mit Drehstrommotoren ?) gesehen.
Hier passiert der Zug mit Tw 2628 an der Spitze gerade die im neobyzantinischem Stil erbaute Newski-Kathedrale in der Jana Kilińskiego.
Die MPK haben auch fünfzehn 30m-Cityrunner im Bestand, hier Tw 1215 (Bj.2002) als Linie 11 vor dem Pałac Poznańskiego, der heute als Stadtmuseum dient.
Die neuesten Fahrzeuge der MPK sind die vom polnischen Hersteller PESA im Jahre 2008 gebauten fünfteiligen Triebwagen vom Typ 122N, hier Tw 1855 als Einführungsfahrt der Linie 11 in der Nowomiejska.
Die beiden Niederflurtypen kommen fast ausschließlich auf der als ŁTR (Łódzki Tramwaj Regionalny) bezeichneten Stadtbahn zwischen Helenowek im Norden der Stadt und IKEA am südlichen Stadtrand zum Einsatz. Diese Strecke wurde (u.a. auch mit Fördermitteln der EU) in den letzten Jahren komplett saniert und besitzt mit Ausnahme eines kurzen Bereiches in der Piotrkowska durchgehend einen eigenen Gleiskörper.
Zu Allerheiligen gab es auch Einsätze eines im privaten Besitz befindlichen Nostalgietriebwagens vom Typ Konstal-5N.
Von diesem Typ (bzw. dem verwandten Typ 5N1) wurden in den Jahren ab 1957 zwar insgesamt 210 Stück in Łódź eingesetzt, der Tw 154 ist aber kein echter Łódźer, sondern stammt aus Bydgoszcz. Der Einsatz dieser Fahrzeuge in Łódź endete übrigens erst 1991(!), zwei bauähnliche Triebwagen sind aber nach wie vor in Katowice im täglichen Einsatz.
Das Fahrpersonal war sehr freundlich, konnte aber kein Englisch, und mit meinen paar Polnisch-Brocken habe ich den Zweck der Fahrt so verstanden, daß das Benefizfahrten sind, um Spenden für den Erhalt eines alten Friedhofes zu sammeln.
Hier befindet sich der Triebwagen am Plac Wolności, man beachte auch im Hintergrund das Cafe Wiedeńska (=Cafe Wien) mit dem k.k.Doppeladler auf der Fassade.
Während der Wendezeit gabe es auch ganz nette Begegnungen mit mehreren Fahrzeugen des Planbestandes, das Highlight davon ist hier zu sehen. Links Tw 3266+3267 als Linie 15 und rechts legt sich gerade ein auf einem LKW-Fahrgestell aufgebauter Minibus, der seine Verwandtschaft mit einem Straßenbahn-Triebwagen nicht verleugnen kann, in die Kurve
Tw 2294+2295 als Linie 4 beim Cmentarz (=Friedhof) "Radogoszcz" im Norden der Stadt, die rot hinterlegte Liniennummer deutet auf eine Änderung im Linienverlauf (wg. Bauarbeiten o.ä.) hin, im konkreten Fall wurde die Linie im Süden der Stadt über eine andere Strecke umgeleitet.
An der selben Stelle kommt aus der anderen Fahrtrichtung der modernisierte Zug 3912+3913 als Linie 16 den Hügel herauf. Dort, wo im Hintergrund die Gleise verschwinden, ist übrigens der Unfall mit Tw 72 passiert.
Am 31.10. und am 1.11. wurden zusätzlich zu den normalen Linien noch drei Sonderlinien mit den Bezeichnungen D1, D2 und D3 in Verkehr gesetzt, die alle im 10min-Takt mit Zweiwagenzügen geführt wurden.
Hier sehen wir am Plac Wolności den Zug 2296+2297, der als Linie D2 in Richtung Friedhof Zarzew unterwegs ist.
Auch ansonsten ist am Allerheiligentag um 8 Uhr in der Früh schon die Hölle los , hier der Ansturm der Fahrgäste auf einen Planzug der Linie 6 in der Ogrodowa, im Hintergrund wieder das Stadtmuseum.
Viel ruhiger läufts wenig später am Rande der Stadt ab, als die beiden Tw 1600+1601 als Linie 7 in der Hst. Telefoniczna einfahren.
Wagen mit Vollwerbung sind in Łódź nicht allzuoft anzutreffen, dies war der einzige von mir gesichtete Zug, bei dem die beiden Wagen Werbung von verschiedenen Firmen trugen..
Die Haltestelle Telefoniczna ist auch die Endstation der Linie 15, auf der an den beiden Tagen des Allerheiligenwochenendes 4 der 13 Umläufe mit Dreiwagenzügen abgedeckt wurden, eine Betriebsform, die in Łódź während des restlichen Jahres nicht vorkommt.
Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmals an Lukasz, der mir mit einem internen Fahrplan der MPK die Arbeit sehr erleichtert hat. Hier der Zug 3264+3265+3250 in der Hst.Pomorska
Einer der Mittelpunkte des Allerheiligenverkehrs ist der Friedhof Zarzew im Südosten der Stadt. Direkt neben dem Friedhofsgelände befindet sich eine im Linienverkehr ansonsten nicht befahrene, äußerst großzügige Schleifenanlage mit getrennten Aus- und Einstiegsstellen , um auch für große Menschenmassen gerüstet zu sein.
Tw 2232+2233 als Linie D3 steht gerade in der Ausstiegshaltestelle, während der Zug 2333+2334 schon wieder auf dem Rückweg nach Kurczaki am südlichen Stadtrand ist.
Wenig später erreicht auch der Zug 2230+2231, der mit einer Eigenwerbung der MPK geschmückt ist, die Friedhofsschleife.
Auch der mutmaßliche(?) Museumszug 1830+1831 war im Friedhofsverkehr im Einsatz, hier am Plac Niepodległości
Die Linie 3 wurde an diesem Sonntag auch auf einen 10min-Takt verstärkt, hier Tw1554+1555 in der Hst. "Kilińskiego Przybyszewskiego" (die heißt wirklich so!)
Benannt ist diese Straße nach dem polnischen Dichter Stanisław Przybyszewski http://de.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Przybyszewski, der unter anderem auch einige Jahre in München gelebt und gearbeitet hat. Ich stelle mir gerade vor, wie er dem Beamten am Münchner Einwohnermeldeamt seinen Familiennamen buchstabiert.
Ebenfalls noch in der Przybyszewskiego sind die letzten beiden Aufnahmen entstanden, hier Tw 2226+2227 als Linie D2...
... und Tw 2396+2397 in der Hst.Niciarniana
Link zum ersten Teil: http://forum.strassenbahn.tk/viewtopic.php?p=57132#57132
So, ich hoffe, es hat gefallen.
Bei Fehlern oder Unstimmigkeiten bitte ich wieder um kurze Meldung.
Edit: Typos und kleinere Ergänzungen
Edit 26.12.10: Bild-URLs geändert |
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